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Priester und auch Sozialpädagoge:

In jedem Menschen findet sich Gottes Ebenbild.
Den Menschen kennen heißt auch Gott kennen lernen.

 

Spiritualität der menschlichen Beziehung

Biblisch ist es ganz klar ausgesprochen, dass der Mensch Ebenbild und Abbild Gottes ist. Von daher ergibt sich dann eine sehr lebensnahe Folgerung: Wenn jemand versucht, die Unterschiedlichkeit der menschlichen Persönlichkeiten zu akzeptieren und sich auf sie einlässt, kann er auch davon ausgehen, dass er einen viel weiteren Blick für Gott bekommt. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass man eigene Vorstellungen auf Gott überträgt, weil wir ihn ja nicht wie einen Menschen als Gegenüber in einer direkt ansprechbaren Person haben. Das neue Testament spricht im 2.Johannesbrief sogar davon, dass man Gott liebt, wenn man den Menschen liebt. Natürlich kann man nicht alle Menschen emotional und affektiv lieben. Das wäre eine fromme Selbsttäuschung. Man kann aber sehr wohl sich aktiv bemühen, sich in Begegnungen auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten wirklich einzulassen und damit ein immer weiteres Menschenbild bekommen. Ich arbeite zwar beruflich nicht als Sozialpädagoge, möchte aber sagen, dass gerade meine Ansätze in der Verkündigung sehr davon geprägt sind.

Fachhochschule
der Salesianer Don Boscos

 

Kloster Benediktbeuern

In der Ausbildung der Priester innerhalb der Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos war es der reguläre Studienplan, auch das Fachhochschulstudium für Soazialpädagogik zu machen. Durch das Nebeneinander der beiden Hochschulen war dies gut möglich.

Blick auf die Klosteranlage:
Theologische Hochschule u. Basilika
 

Ständig im Dialog mit den Humanwissenschaften

Nach meiner Meinung müssen alle möglichen Mittel in Anspruch genommen werden, um die Botschaft Jesu auch für den Menschen von heute zu erschließen. Dabei kommt es mir sehr auf die Verstehbarkeit an. Es nützt die beste Botschaft nichts, wenn man sie nicht versteht und dadurch von Vornherein ausgeschlossen ist, dass sie die Herzen erreicht. Von daher bin ich seit meiner Ausbildung an der Fachhochschule für Sozialpädagogik immer ein Interessierter an den Humanwissenschaften. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, auch dort ein profundes Wissen zu pflegen, um die Seele des Menschen, für die wir "sorgen sollen", besser zu verstehen. Ich investiere nach wie vor viel Zeit und Kraft, hier am aktuellen Stand der Wissenschaft zu bleiben. Das ist ein Erbe aus der Zeit im Orden des Hl. Don Bosco, der immer bestrebt war, dass er am Stand der Zeit war, weil für die Verkündigung keine Anstrengung zu groß ist. So habe ich mich in den letzten Jahren auch in den Bereich der Neurobiologie, der modernen Hirnforschung im Selbststudium etwas vertieft. Ich sehe dies als meine Pflicht, wenn ich verantwortlich vor den Menschen das Höchste, das es gibt, verkündigen will: Die Botschaft Jesu. Es kann aber auch nicht sein, dass Menschen kaum etwas investieren, um die Botschaft Jesus verstehen zu lernen. Für jeden menschlichen Bereich nimmt man selbstverständlich in Kauf, dass man Kurse und Ausbildungen benötigt, für die Gottesbeziehung aber will man nichts einsetzen. Daher sehe ich keine Lösung darin, viele Elemente der christlichen Spiritualität einfach wegzulassen, weil die Menschen die geistige Anstrengung nicht gehen wollen, sie für sich zu erschließen.

Glaube, der Freude macht: Von Don Bosco wesentlich geprägt

Seit dem Jahr 2000 bin ich zwar kein Salesianer Don Boscos mehr, ich bin aber dankbar für diese Zeit in der Gemeinschaft des Ordens. Don Bosco war schon ein heiligmäßiger als Jugendlicher. Er hatte aber einen sehr fröhlichen Zug und absolut nichts Verbittertes oder Lebensverneinendes. Dieser Blickwinkel auf die frohmachende Dimension unseres Glaubens hat mich als junger Mensch im Internat sehr tief berührt und auch von vielem befreit. Eine Liebe zu Gott, die in erster Linie im Tragen von Lasten besteht, ist von der Liebe oft weit entfernt. Ich würde es vielen sehr eifrigen und ernsthaft um ein frommes Leben bemühten Menschen wünschen, von dieser Kraft Don Boscos ergriffen zu werden. Gerade Don Bosco hatte in seinem Leben trotzdem eine tiefe Einsicht in die geistige Frucht des Opfers. Diese waren bei ihm aber anders gelagert, nämlich als eine Mühe oder ein Leiden, das man in der Kraft Gottes auf sich nimmt, um etwas Größeres zu erreichen oder einfach im eigenen Leben zu reifen. Dies ist dann aber eine Form gesunder Hingabe und auch rein psychologisch nichts Krankmachendes, sondern gerade oft Heilung Schaffendes.

Bereits im Internat der Gymnasialzeit war ich vom Geist des Hl. Don Bosco umgeben. Die Salesianer leiteten das Canisusheim in Horn, wo sich auch eine frühe spirituelle Prägung ergab. Ich kann mit großer Dankbarkeit auf meine Internatszeit zurückblicken.

Don Bosco war ein Priester aus Leidenschaft. Er war zutiefst mit Gott verbunden, aber sehr irdisch. Er kümmerte sich um Strassenkinder, spielte mit ihnen Fußball und sorgte selbst als Lehrmeister für deren Ausbildung. Don Bosco war auch Handwerker und sehr vielseitig. Sein tiefstes Anliegen aber war hinter allem sozialen Engegement, die Menschen zu Gott zu führen. Das hat mich geprägt.

Gottes Nähe spüren

Ein wichtiger Leitgedanke Don Boscos war, dass er seinen Erziehern immer wieder sagte: "Die Jugendlichen müssen spüren, dass ihr sie liebt!" Davon leite ich ab, dass es in der Verkündigung niemals von Erfolg gekrönt sein wird, wenn man jemanden zwingt, etwas zu glauben. Gerade der suchende Mensch der Gegenwart muss spüren, dass "am Glauben wirklich was drann ist!" Der springende Punkt ist die Frage, ob eine Beziehung zu Gott entsteht oder Gott ein Gedanke bleibt. Ich denke, es gibt zwei häufig anzutreffende Formen, sich in "gutem Glauben" von Gott zu entfernen und ihn zum "Gedanken" werden zu lassen:

Gottesferne durch religiöse Leistung statt liebender Nähe

Ein Mensch, der einer Art Leistungsdenken verfällt, um bei Gott Anerkennung zu erhalten, ist noch mit viel Unfreiheit belastet. Wir meinen oft, dass es bei Gott ähnlich ist wie beim Menschen: Er mag uns, wenn wir so sind, wie er es möchte. So beginnt ein Mensch oft recht freudlos einen geistlichen Weg einzuschlagen. Gerade Fernstehende oder Ungläubige spüren diese Diekrepanz und sagen: "Einen solchen Gott brauche ich nicht, weil die Gläubigen auch keine erlösteren Menschen sind als ich!" Zu tun, was Gott will, ist objektiv richtig und ein notwendiger erster Schritt, dies aber aus innerer Überzeugung und aus Liebe zu tun, ist der erlöste Glaube, welcher von der Nähe Gottes gekennzeichnet ist.

Gottesverlust im "Gott als inspirierende Kraft für mehr Menschlichkeit" statt personaler Begegnung

In der anderen Richtung auf der Skala stehen jene Menschen, welche die Nähe Gottes vollständig mit der Nähe zum Menschen gleichsetzen. Sie lassen sich engagiert auf menschliche Beziehungen ein und zeigen oft ein sehr beachtenswertes Engagement im zwischenmenschlichen und caritativen Bereich. Bestimmt ist diese Nächstenliebe auch Gottesliebe. Aber zu Gott direkt, der ja nicht vollständig im Menschen aufgelöst ist, gibt es nur wenig bis keine Nähe mehr. Sie wird auch nicht vermisst oder gesucht, weil sozusagen mit der Nähe zum Menschen "Gott bereits erreicht ist". Bei ganz kritischer Betrachtung muss man anmerken, dass da Gott im Wesentlichen nur mehr ein Symbol bzw. ein Motivationsfaktor ist. Solche Menschen können oft auch den Sinn des Betens nur mehr schwer erkennen. Das Beten ist dann häufig kein direktes Gespräch mit einem Gegenüber, sondern ein Betrachten und sich Inspirieren-Lassen von ermutigenden und inspirierenden Texten.

 

Pfarre Gmunden Ort
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Pfarrer Dipl.Soz.Päd. Mag. Franz Trinkfaß, röm.kath. Pfarrer in Gmunden Ort, A-4810 Gmunden,
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